Ontario | in the nature https://inthenature.de Reiseblog + Wandern mit Hund + Ökologischen Fußabdruck reduzieren Tue, 16 Oct 2018 13:04:53 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=5.8.19 https://inthenature.de/wp-content/uploads/2018/07/cropped-180715_INTNA_LOGO_01_BLACK_TRANS-32x32.png Ontario | in the nature https://inthenature.de 32 32 116258601 Schlafende Giganten in den Stromschnellen https://inthenature.de/schlafender-riese-in-den-stromschnellen/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=schlafender-riese-in-den-stromschnellen https://inthenature.de/schlafender-riese-in-den-stromschnellen/#respond Sun, 03 Jul 2016 18:05:58 +0000 http://stopczynski.de/reise/?p=4068 Unsere Reise Richtung Westen bewegt sich in kanadischen Verhältnissen immer noch recht langsam, für uns sind jedoch die täglichen Stecken…

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Unsere Reise Richtung Westen bewegt sich in kanadischen Verhältnissen immer noch recht langsam, für uns sind jedoch die täglichen Stecken von ca. 300 km einiges. Das ist diesmal die Distanz zum nächsten Ontariopark, Sleeping Giant.

Wie es sich für uns gehört, nehmen wir unterwegs alles Interessante mit, was die Reiseprospekte vorschlagen. Auf der Strecke über den Trans Canada Highway Nr. 17, die direkte Route von Ost nach West (nördlich der Großen Seen), gibt es mehr zu Entdecken als man vermutet. Gespickt mit National- & Ontarioparks und zahlreichen Ortschaften, haben wir diesen gefunden: der Indian Head (Indianer Kopf) inmitten einer gigantischen Schlucht. Ausgeschildert als Ouimet Canyon, folgen wir den Schildern ein paar Kilometer abseits der Schnellstraße einen Berg hinauf. Die Kanadier nennen diese Schlucht gerne ihren Grand Canyon, mit der imposanten Größe der amerikanischen Version kann diese jedoch nicht mithalten. Die Geschichte zum Indian Head und der Ouimet Schlucht mit deren Aussicht, ist trotzdem mehr als spannend.

Die Fakten – Quimet Schlucht: 100 Meter tief, 150 Meter breit und 2 Kilometer lang. (US Grand Canyon: 1,8 km tief, bis zu 29 km breit und 446 km lang)

Die Geschichte: Die Ojibway glauben, dass vor vielen Jahren noch Giganten das Land geformt haben, die Berge errichteten und Seen erschufen. Darunter waren Omett und Nanna Bijou, Heilige der Ojibway. Eines Tages verliebte sich Omett in die Tochter von Nanna Bijou. Als Omett jedoch einen weiteren Berg erschuf, brach ein Stück ab und tötete Naiome, die Tochter von Nanna Bijou. Aus Angst vor den Konsequenzen, legte er Naiome in einen See und bedeckte sie mit Felsgestein.
Auf der Suche nach seiner Tochter erfühlte Nanna Bijou ihre Präsens unter dem Gestein. In diesem Augenblick ergriff er aus dem Himmel einen Blitz und schleuderte diesen gegen das Felsgestein, welches darunter zerbrach und eine weite Schlucht erschuf. Den freigelegten Körper legte Nanna Bijou in diese Schlucht. Zugleich bestrafte er Omett indem er ihn in Stein verwandelte und an der Seitenwand der Schlucht platzierte, um für immer seine Tochter Naiomi zu bewachen.

Wir setzen unsere Reise fort. Begleitet von Sonne sehnen wir uns verzweifelt nach einer Abkühlung. Glücklicherweise sehen wir einige Kilometer weiter ein paar Frauen mit nassen Haaren und Handtüchern entlang der Schnellstraße spazieren. Das riecht nach Wasser!
Kurz ran gefahren und die Infos zur nächsten Schwimmmöglichkeit eingeholt, geht es in eine Seitenstraße zu einem keinen Bachlauf und einem natürlichen Endlos-Pool (Adresse: 17 5 Road North, Shuniah ON P0T). Bestückt mit Steg und Sprungbrett ist es die perfekte Möglichkeit sich abzukühlen. Die Strömung sorgt für den Endlos-Pool 😉

Bevor wir die Nacht auf dem Campingplatz des Sleeping Giant Parks verbringen, suchen wir uns ein ruhiges Plätzchen auf der Seitenstraße kurz vor dem Park. Über die Schotterpiste geht es Kilometerweit durchs Niemandsland, von Parkmöglichkeiten keine Spur. Wir entdecken einzelne Wohnhäusern, aber im Vorgarten wollen wir diesmal lieber nicht übernachten. Wir sind schon dabei aufzugeben, als wir eine einsame Wiese am Wasser sehen – perfekt!

Am frühen Morgen geht es in den Sleeping Giant Provincial Park und auf den längsten sowie steilsten Wanderweg den der Park zu bieten hat – klar, wir brauchen immer eine Herausforderung.
Wir parken das Auto am Campingplatz, denn nach Aussagen ist der erste Teil der Strecke mit dem Fahrrad befahrbar.

Die Eckdaten zur Tour:
+ 5 km Asphalt vom Campingplatz zum Wanderweg
+ 8 km unbefestigter Wander-/Fahrradweg zum Beginn des Sleeping Giant Wanderwegs
+ 3.5 km zum Gipfel des Sleeping Giant (300 Höhenmeter)
+ 5 km entlang des Talus Lake Trails zur zweiten Aussicht
Und dann wieder zurück …

Eins vorneweg, die Aussicht vom Sleeping Giant Head ist sensationell!
Aber eins nach dem anderen. Die 8 km Fahrradtour entlang des Wanderwegs genießt man erst mit einem Cross-Bike oder Mountainbike. Da es aber relativ eben ist, machen uns die Steine auf dem Weg nicht so viel aus. Immerhin spart man sich die 8 km langatmige Waldpassage. Dann geht’s ins Dickicht und nach 1 km steil Bergauf, für 2.5 km – phu! Mit frischen Beinen, gestärkt durch unser typisches Kanada-Camper-Frühstück (Haferflocken mit Banane, Erdnussbutter, Leinsamen und Cranberries), spurten wir relativ schnell hoch. Entlang des Weges kommt man an 2–3 schönen Aussichtspunkten vorbei, doch wer nicht bis zum Ende geht, wird es bereuen! Einmal oben angekommen sind die restlichen 20 Minuten um den Berg schnell abgelaufen. Dann wird man von einer gigantischen Schlucht und einer unglaublichen Aussicht überwältigt! Höhenangst sollte man hier nicht haben …
Wir posieren für ein paar Schnappschüsse bevor wir unser mitgebrachtes Mittagessen am Abhang verspeisen (es gibt belegte Brötchen).

Es geht wieder runter, und nach nur knapp 8 gelaufenen Kilometern (die 13 Fahrrad Kilometer nicht mitgerechnet), haben wir noch nicht genug und beschließen den Weg zur zweiten Aussichtsplattform zu wandern. Es sind ja nur 5 km … Das unwegsame Gelände, ein paar Hügel, die Hitze und der Rucksack machen die Strecke jedoch nicht leichter. Am Nanabosho Lookout angekommen, sind wir geschafft und brauchen erst mal einen Notfall-Power-Riegel. Die Aussicht ist schön, jedoch nicht vergleichbar mit der vom Sleeping Giant Head.

Für uns geht’s jetzt zurück zum Zeltplatz. Wir freuen uns auf ein Bad im nahe gelegenen See. Nicht im Superior See welcher uns umgibt, dieser ist immer noch vieeel zu kalt, sondern im Innland-See Marie Louise. Wir müssen feststellen, dass sich dieser See auch noch nicht erwärmt hat. So wird’s dann eine Dusche am Zeltplatz.
Mit zahlreichen Wanderkilometern, dabei einigen Rundwegen, bietet der Sleeping Giant Provincial Park viel für das Wanderherz.

Die Suche nach einem Nachtlager erweist sich als schwierig, deswegen nächtigen wir ausnahmsweise mal wieder an unserem beliebten Walmart Parkplatz. Belohnt werden wir nicht nur mit WLAN, sondern mit einem der schönsten Sonnenuntergänge!

Am nächsten morgen schmerzen noch die Beine, wir brauchen eine Pause und wollen ans Wasser in Thunderbay. Dank Corey, welchen wir im Pukaskwa National Park kennengelernt haben, bekommen wir den Tipp zu den nahe gelegenen Stromschnellen zu fahren (15 km nördlich vom Stadtzentrum). Das klingt nach Abenteuer und wir lassen es uns nicht zweimal sagen.

Was wir hier erleben, müsst ihr euch am besten selbst mit unserem Video anschauen – Kamera bereit, Action!

Am Abend besteigen wir außerdem noch den Berg McKay. Im Indianer Reservat Fort Williams gelegen, bietet der Berg mit 330 Meter über der Stadt die Aussicht auf die Weiten des Superior Sees und den schlafenden Riesen, den wir einen Tag zuvor erklommen haben.
Tipp: Auftanken im Reservat an der dritten Tankstelle, die im Ortszentrum ist! Die vorherigen sind teurer.

Wir wären nicht wir, wenn wir uns nicht zudem noch geschichtlich intensiver weiterbilden würden. Und was gibt es prägenderes für Kanada als Kanus und Pelzhandel?! Wir besuchen am nächsten Morgen den Handelsposten Fort Williams, eines der größten Pelz-Umschlagplätze der North West Company in jener Zeit. Durch die zahlreichen Schauspieler erleben wir hier hautnah wie sich das Leben vor etwa 300 Jahren in so einem Handelsposten abgespielt hat – definitiv empfehlenswert!

Auf unserer Pelzroute machen wir auch einen Halt bei den nahegelegen Kakabeka Wasserfällen, die imponieren mit ihrer Größe. Außerdem lässt sich eine der dreizehn Portagestrecken auf diesem Fluss ablaufen. Diese alleine hat eine Wanderlänge von 1,3 km, damals zusätzlich mit schwerer Ausrüstung. Bei einer Handelsmission waren neun Männer in einem Montreal Kanu, hergestellt aus Birkenrinde, gemeinsam unterwegs. Im Handelsposten haben wir gelernt, dass jeder der Händler 90 Kilo Pelz plus das Kanu transportierte, sowie das Essen. Auch ein spannender Fakt: Was haben die gegessen? Ein Mix aus Büffelfett! Mhhhh …wochenlang Büffelfett.

Auf der Seite der Hudson Bay Company, der Konkurrenz und später Muttergesellschaft, findet ihr eine sehr gute Darstellung der Pelzhandel-Routen eine interaktive Zeitleiste mit Ereignissen und viele weitere Geschichtliche Informationen. Eine detaillierte Entwicklung der Pelzhandelsgesellschaften haben wir hier für euch zusammengestellt.

Geschichtliche Entwicklung der Pelzhandelsgesellschaften:
1600 Nachfrage nach Pelz in Europa steigt und rottet heimische Arten wie den Bieber fast aus.
1604 Grundsteine für Quebec City wird gelegt.
1610
Henry Hudson kundschaftet die große Bucht Nordamerikas aus, die zuvor bei der Suche nach der Nordwest-Passage Richtung Asien entdeckt wurde. Im Packeis gefangen gibt es nach dem harten Winter eine Meuterei und die Schiffsmannschaft setzt Hudson mit seinen Söhnen aus, der seitdem nie wieder gesehen werden. Trotzdem erkennt man das Potenzial der Region für  den Pelzhandel und nennt die Bucht „Hudson Bay“.
1650 Der französische König Henry IV bewilligt und fördert den Pelzhandel mit den neuen Kolonien am St. Lowrence River (Quebec).
1659 Die sogenannten Voyageurs (französische Kundschafter und Pelzhändler), wie Pierre Esprit Radisson and Médard Chouart, Sieur des Groseilliers, reisen von Montreal bis zum Superior See um Pelz mit den Cree und Ojibwa Indianern zu handeln.
1660 Ohne Besitz einer Handelsgenehmigung werden Radisson und Chouart kurzzeitig von der Regierung in Neu Frankreich festgenommen und ihre 100 Kanus voller Felle werden beschlagnahmt, sodass sie sich von Neu Frankreich abwenden.
1668 Nach länger Investorsuche in Neu England und England, finden Radisson und Chouart in England Investoren für ihre nächsten Pelz-Expedition über die Hudson Bay Route, die abseits der Französichen Kontrolle führt und mehr Profit verspricht. Zu den Investoren zählen Karl II (König von England), dessen Cousin Prinz Rubrecht und weitere Geschäftsleute.
1670 Nach der erfolgreichen Expedition erteilt König Karl II dem Prinzen Ruprecht, zusammen mit den Voyageurs Radisson und Chouart die alleinigen Handelsrechte über das Gebiet der Hudson Bay. Es umfasste eine Größe von 3,9 Millionen km², mehr 1/3 des heutigen Kanada, und erstreckte sich bis in den nördlichen mittleren Westen der USA. Es bestand aus allen Flüssen die in die Hudson Bay münden. Die Hudson Bay Company (HBC), erste eingetragene Pelz-Handelsgesellschaft ist geboren.

…
2015 HBC kauft die Deutsche Handelskette Galleria Kaufhof

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1000 km Küstenlandschaft https://inthenature.de/erkunde-1000-km-kuestenlandschaft-der-grossen-seeen/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=erkunde-1000-km-kuestenlandschaft-der-grossen-seeen https://inthenature.de/erkunde-1000-km-kuestenlandschaft-der-grossen-seeen/#respond Fri, 01 Jul 2016 18:24:41 +0000 http://stopczynski.de/reise/?p=4022 Nach 3 Wochen im Osten Ontarios, geht es mit großen Schritten westwärts und um die großen Seen Nord-Amerikas. Wir wollen…

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Nach 3 Wochen im Osten Ontarios, geht es mit großen Schritten westwärts und um die großen Seen Nord-Amerikas. Wir wollen die Küstenlandschaften des zweitgrößten Sees der Welt erkunden, mal eintauchen und ein paar Züge drin wagen. Außerdem steht Kanada Day vor der Tür, da wollen wir etwas Kanadisches erleben.

Also nehmen wir den Weg auf uns und erkunden. Entlang der Strecke verbringen wir noch zwei Tage auf der zweitgrößten Insel des Huron Sees, auf St. Joseph. Die kleinen Ortschaften der Insel bewegen uns zur Entschleunigung – absolut notwendig, nach 250 km volle Kraft voraus von unserem Startpunkt, der Widgawa Lodge Ferienwohnung. Der Blick von der Insel auf den Huron See ist entzückend und das Wasser einladend türkis. Interessante Sehenswürdigkeiten auf der Insel sind die Ruinen eines Verteidigungspostens der Briten aus dem 18. Jahrhundert, das Fort St. Joseph sowie Adcock’s wunderschönen englischen wilden Garten. Wir haben uns die Zeit genommen um Beides ausgiebig zu bewundern.

Die Ruinen sind Teil der Fort St. Joseph National Historic Site, bieten kleinere Wanderwege mit dem Rundweg um die Ruinen und im Informationszentrum mit Museum veranschaulicht ein Film das Leben zur Zeit der Anlage. Das Personal ist super drauf und verpasst uns Airbrush-Tattoos. Yeah, ich habe zwei Paddel auf dem Unterarm.
Das Fort war ein Verteidigungsposten der Briten (errichtet im Jahr 1797) um die Pelzhandel-Route vor den Amerikanern zu schützen, welche sich nur wenige Kilometer weiter südlich befanden. Nach Ausbruch des Krieges zwischen Amerika und Großbritannien 1812, eroberten die hier stationierten britischen Soldaten den nahelegenden Posten der Amerikaner und ließen St. Joseph schutzlos zurück. Zwei Jahre später nutzen die Amerikaner die Gelegenheit und brannten den Verteidigungsposten auf St. Joseph komplett nieder. Erst als Parks Kanada ein archäologisches Programm in Jahr 1964 startete, wurden die Ruinen nach zehnjähriger Arbeit komplett freigelegt und der Öffentlichkeit gezeigt.

Auf dem Weg zu, oder von den Ruinen sollte jeder Adcock’s wilden Garten bestaunen. Hier wandert man zwischen einem Mix aus natürlichen Wildblumen, verschieden duftenden Rosenbüschen, bezaubernden Gobelin und durch den „betrunkenen Wald“ bestehend aus Kiefern und Zedern, welche sich durch ihr Gewicht im weichen Untergrund krümmen, verbiegen, um sich wieder hoch zur Sonne aufzubäumen. Die Schönheit des Gartens wird zusätzlich in den Teichen reflektiert, welche geschmückt sind mit Wasserlilien und hungrige Schildkröten beherbergt.

 

50 km westwärts beginnt der Superior See, welcher in der Stadt Sault Ste. Marie über Stromschnellen und durch eine große Schleuse, die den Schiffsverkehr ermöglicht, in den Huron See fließt. Sowohl auf der kanadischen als auch auf der US-amerikanischen Seite gibt es große Schiffsschleusen, wobei die auf der US Seite größer sind und Tankern die Überfahrt erlauben.
Das Gelände auf der kanadischen Seite gehört zu der Sault Ste. Marie Canal National Historic Site und bietet neben einem winzigen Museum noch zwei Wanderwege um die Schleuse sowie über die natürlichen Stromschnellen. Ein Besuch lohnt sich für uns als Fahrpause.

Ab hier sind es noch 40 oder 80 Kilometer bis zu den strandreichen Provinzial Parks an der Küste des Superior Sees. Dazu zählt die Batchawana Bay und die Pancake Bay mit feinen Sandstränden und einigen Wanderwegen entlang der Küste. Allgemein gibt es entlang der Küste viele Strände an denen wir uns im Sand wälzen. Neben Batchawana Marine Park, eignet sich auch der Pancake Provincial Park für einen 3,5 km langen Strandspaziergang, eine 14 km lange Fahrradtour, Boots- und Kanu-Touren auf dem hellblauem Wasser. Ab August, wenn das Wasser wärmer ist, sogar für einen gemütlichen Badeausflug.

 

Jedoch wollen wir länger wandern, um die unterschiedlichen Felsformationen an der Küste zu bestaunen, deswegen fahren wir zum großen Lake Superior Provincial Park. Der Park bietet neben dem 65 km langem Küstenwanderweg ebenfalls einige kürzere Wanderwege in unterschiedlichen Vegetationen.
Wir wollen auf den 65 km langen Coastal Trail entlang der Küste des Lake Superior, der mit seiner Größe und dem Wellengang nichts von einem Tümpel zuhause hat. Wir wandern zu Aussichtspunkten, klettern Klippen hoch, krakseln über Stein-, Sandstrände und übernachten im Zelt bei Wellenrauschen. Wer den kompletten Küstenwanderweg gehen möchte, sollte mindestens 5 Tage einplanen.

Küstenwanderweg: Wer die Schönheit des Wegs erleben will, jedoch nur zwei Tage entlang der schroffen Küste eine Teilstrecke wandern möchte, hier unsere Empfehlung:
Das Auto am Parkplatz des Sinclair Cove Wanderwegs parken und mit dem Fahrrad bis zur Brücke Coldwater fahren. Dauer: 1, 5 Stunden. Hier ist einer der wenigen Einstiege zum Küstenwanderweg. Von dort geht es südlich-ödtlich bis zum Zeltplatz Kathrin Cove (12 km). Ein unvergesslicher Ort auf einer vorgelagerten Halbinsel, umringt vom blauen Wasser des Superior Sees.
Am nächsten Tag geht’s 15 km über unterschiedlichen Untergrund zurück zum Auto. Die Strecke sollte man nicht unterschätzen, da viele Abschnitte über Felsen oder Wackersteine verlaufen und das Vorankommen etwas langsamer vorangeht. Besonders wenn es regnet, wird der Weg rutschig. So bleibt viel Zeit, die Landschaft auf sich wirken zu lassen.
Belohnt werden wir auf der Strecke mit abwechslungsreichen Küstenlandschaften und einen unendlichen Blick auf den See. Dabei ändert sich Vegetation wie folgt: Feine Sandstrände, Kieselstein Strände, Strände mit abgeschliffen Rundsteinen, Klippen, Felsen und kleinere Waldabschnitte.

Ein Muss ist der Halt bei den Agawa Rock Pictographs! Die indianischen Zeichnungen sind am Ende eines 0,5 km kurzen Wanderwegs an Felswänden kurz oberhalb der Wasserline aufgetragen. Das Alter der Zeichnungen wird auf 150–400 Jahre geschätzt und wurde von den Ojibwe Ureinwohnern gezeichnet. Die dargestellten Figuren, die mit einer Mixtur aus Roteisenerz von dem Schamanen Myeengun aufgetragen wurden, zeigen Kanus, Bieber, Graureiher, Adler, Bären, Schildkröten sowie andere mystische Figuren wie den großen Wasserlux, der als Beschützer des Kupfers gilt. Denn genau diesen galt es in dieser Zeit vor den europäischen Minenarbeitern, welche sich am Superior See ausbreiteten, zu beschützen.

Ojibwe: Sind eine (regionale) Gruppierung der Anishinabe, die wiederum eines der größten Indianervölker Nordamerikas sind. Die Anishinabe teilen sich in verschiedene Gruppierungen (Algonkin, Nipissing, Mississauga, Potawatomi, Odawa, Oji-Cree, Saulteaux und die Ojibwa) und siedelten sich entlang der Großen Seen Nordamerikas an. Die Ojibwe selbst sind die zweitgrößte Gruppierung, hinter den Cree, und sind bekannt für ihre Birkenrind-Kanus, Wildreis Kultivierung, dem Handel mit Kupfer und einer sehr friedlichen Lebensweise. Mit dem Einzug der Europäer zogen die Ojibwe von Quebec, immer weiter Richtung Westen zu den Großen Seen und später bis nach Zentral-Kanada.

Zudem ist der 8 km lange Wanderweg um den Orphan Lake mit Aussichtspunkten über den See Superior, auf die Leech und Lazard Islands und auf der nördlichen Seite den Baldhead Mountain ein gelungener Pfad. An dem Steinstrand vorbei, kommen wir zu einem kleinen Wasserfall bevor es durch den Wald zum Parkplatz geht.

 

In Wawa sind die Menschen verrückt nach riesigen Canada Goose Abbildungen. Spontan beim Durchfahren sichten wir vier gigantische Statuen. Die Gemeinde brüstet sich damit die Größte zu haben. Hier lässt sich spenden zum Bau eines noch größeren Monuments.

Weitere eindrücken der rauen Küste und der Boreal Grenzlandschaft bietet der Pukaskwa National Park. Das unglaublich nette Personal, die abwechslungsreichen Wanderwege und der bezaubernd süße Duft der Rosen, welcher Ende Juni in der Luft liegt, sollten jeden überzeugen hier ein paar Tage Zeit zu verbringen.
Zwei Wanderungen, die wir ins Herz geschlossen haben:
1) Southern Headland Trail: Der 2 Stunden Rundweg zeigt all das, was die schroffe Küste zu bieten hat: Schwarze Lava Felsen, weite Aussichten auf den See, Sandstrand mit Treibholz und Schilf-Landschaften.

2) Coastal Trail: Der 60 km lange Küstenwanderweg, wovon es ausreicht nur die Hälfte abzuwandern um die verschiedenen Landschaften zu genießen, bietet die Möglichkeit 2–6 Tage lange Wanderung zu unternehmen. Weit abseits der Zivilisation verbringen wir die Zeit inmitten von ruhigen Wäldern, reißenden Flüssen, gigantischen Wasserfällen sowie der schroffen Küstenlinie des Superior Sees.
Eine mögliche Variante den Wanderweg abzulaufen ist folgende:
Erster Tag, 8 km zum White River Zeltplatz. Zweiter Tag, 14 km zum Morrison Harbour Zeltplatz – Lager aufbauen. Dritter Tag, Tagesausflug zur Oiseau Bay (16 km hin und zurück zum Lager). Vierter Tag, zurück zum Auto (22 km).
Alternativ: Erster Tag, 16 km Wanderung zu den Chigamiwinigum Wasserfällen und Übernachten am Fluss Willow. Zweiter Tag, zurück zum Auto, oder 8 km weiter zum Zeltplatz Fisherman Harbour, Lager aufbauen und rasten. Dritter Tag, Tagesausflug zum Fisherman’s Cove und wieder zurück zum Lager. Vierter Tag zurück zum Auto (25 km).
Höhepunkte sind neben den zwei Wasserfälle entlang des Weges, eine lange Hängebrücke, die 23 Meter über dem reißenden White River baumelt, abwechslungsreiche Vegetation und Ruhe.

Als wir dort sind, ist Canada Day und alle Kanus sowie die Stand-Up Paddle Boards sind umsonst und stehen uns zur Verfügung für das gesamte Wochenende. Das lassen wir uns nicht zweimal sagen und paddeln nachdem wir ein riesiges Stück sahnige Kanadatorte verdrückt haben. Danke Pukaskwa Park! Canada Day in einem Park zu verbringen ist eine super Idee, denn die Parks stellen ein Programm für das gesamte Wochenende auf die Beine. Uns gefällt’s, wir kanuen, besichtigen die Tour zum Bau von Longhouses aus Birkenrinde, paddeln in der Bucht, wandern und hängen am Strand rum.
Tipp: Wer hier durchfährt sollte in Pic-River auftanken, hier gibt es den günstigsten Sprit in der Region!

 

Weiter westwärts empfehlen wir außerdem einen Ausflug zum Neys Provinzial Park, welcher den interessanten Wanderweg Point Trail mit Schautafeln zur Entstehung der Gesteine bereit hält. Dauer: 1–4 Stunden, je nach Interesse an der Geschichte und der Umgebung. Hier haben Lava, Gletscher und Gezeiten ihre einzigartigen Spuren im Felsen hinterlassen, die es zu erkunden gibt.

Alternativ haben wir 50 km weiter Richtung Westen einen zweiten ausgeschilderten Küstenwanderweg entdeckt, als wir einen Canyon mit Wasserfall besuchen, der nicht zum Park gehört, und somit kostenlosen Zeltplätze entlang der Küste bereit hält, der Voyager Trail. Er startet bei den Aguasabon Falls, die 30 m in die Tiefe stürzen um sich anschließend durch den Canyon zuwinden.

Wir fahren weiter Richtung Thunderbay und dem Sleeping Giant, der See ist einfach zu groß für nur einen Artikel.

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Kanutour im Herzen Kanadas https://inthenature.de/kanutour-im-herzen-kanadas/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=kanutour-im-herzen-kanadas https://inthenature.de/kanutour-im-herzen-kanadas/#comments Sat, 25 Jun 2016 05:54:05 +0000 http://stopczynski.de/reise/?p=3020 Am Dienstagabend geht es rund! Wie lernt man etwas über die kanadische Lebensweise, erlebt einen fantastischen Kanu-Ausflug in die Wildnis und findet nebenher Arbeit? Dank…

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Am Dienstagabend geht es rund! Wie lernt man etwas über die kanadische Lebensweise, erlebt einen fantastischen Kanu-Ausflug in die Wildnis und findet nebenher Arbeit?

Dank der Facebook Gruppe Work and Travel Kanada! Mit dem Beitrag zu einem Gesuch von Arbeitern auf einem Campingplatz mit Ferienwohnungen, der Widgawa Lodge & Outfitter, kamen wir zu einer außergewöhnlichen Kanuerfahrung.
Die Widgawa Lodge ist der Kanu-Kajak-Ausstatter am Zugang der Westseite des Killarney Provincial Parks, welcher selbst an der Nordspitze des Huronsees liegt. Dieser Park ist einer der bekanntesten in der Region, wenn nicht in ganz Kanada. Einerseits durch die einmalige Schönheit der Natur sowie der großen Dichte an Seen, Kanurouten und Wanderwegen. Andererseits, da die bekanntesten Künstler Kanadas, besser bekannt als die Gruppe aus 7, hier ihrer Gemälde fertigten. Sie haben den Schutz der einmaligen Region initiiert und somit die Gründung des Parks gefördert.
Die Landschaft ist durchzogen von Flüssen, Seen sowie weißen, abgerundeten Quarzithügeln, der La Cloche Gebirgskette. Diese weißen Bergkuppen und Klippen stehen im direkten Kontrast zu den eingebetteten blauen Seen und grünen Kiefernwälder. Traumhaft! Ein idealer Ort um Kanu zu fahren. Perfekt, dachten wir uns, als wir hörten, das als Arbeitsausgleich neben Verpflegung und Logis die Nutzung der Kanus möglich ist – ok, bei Verpflegung hatten sie mich schon 🙂

Widgawa Lodge & Outfitter
Nach unserer Job-Anfrage via Facebook bei Joshua und Conni, den Besitzern der Widgawa Lodge, ging alles sehr schnell und unkompliziert: „Klar, kommt vorbei wenn ihr in der Gegend seid“ hieß es in der Antwort E-Mail. Gesagt, getan! Vor allem im Frühjahr sind die zwei immer auf der Suche nach Helfern. Unsere Aufgabe klang simpel: Die Dächer der zwei Außentoiletten müssen erneuert, sowie gestrichen werden. Nach einer anfänglich geplanten Dauer von 2–3 Tagen, hat es doch 5 gedauert. Erfahrungen mit Dach Schindeln hatte ich noch keine, aber kann ja nicht schaden für zukünftige Hausbau Projekte.

Angekommen, bekommen wir eine 3 Zimmer Hütte mit Küche und Bad zur Verfügung gestellt. Purer Luxus für uns. Die Beine lang machen, am Tisch sitzen zum Essen und es gibt eine Dusche. Promt werden wir zum Lagerfeuer eingeladen – das ist Tradition und wird an fast jedem Abend gepflegt. Die Gitarre wird ausgepackt und schon sitzen Bruce Springsteen, R.E.M., The Grateful Dead, … mit am Lagerfeuer sowie die Gäste und Mitarbeiter. Conni und Joshua sind großartig! Sie machen den Besuch im Park für alle zu einem Erlebnis. Wir können jedem nur Empfehlen hier vorbeizukommen, um den Park per Kanu zu erkunden.

Genauso sind beide als Arbeitgeber spitze und richtig entspannt:„Macht das es gut Aussieht“ war die Devise. Ein paar Tipps und eine kurze Einweisung wie man Schindeln aufs Dach legt, und dann überließen Sie es uns, wie wir die Arbeit abschließen. Das Wetter ist traumhaft heiß. Martin und ich arbeiten gerne an den Toilettchen: messen, sägen, Nägel ziehen, hämmern, streichen, uns mit dem Wasserschlauch nassspritzen…

An ein paar Nachmittag fahren wir mit dem Boot in den Provincial Park. Wir haben Grillzeugs dabei für Abendessen und ein Grill ist an Board. Die zwei verstehen wie man Mitarbeiter und Gäste verwöhnt. Toll, das zur gleichen Zeit ein weiteres deutsches Work and Travel Paar hier ist. Sebastian und Janina haben ihre Tour durch Kanada vor ein paar Wochen gestartet. Gerne teilen wir unsere Erfahrungen von der Ostküste mit ihnen und überließen ihnen die dokumentierte Neufundland-Karte – auch wenn wir uns von ihr nur schweren Herzens trennen konnten.

 

Killarney Provincial Park
Es geht für drei Tage in den Park. Wir wählten einen favorisierten 32 km Rundweg zum Nellie See. Dieser führt über sechs Seen, einen Flusslauf, einen Biber Damm und fünf Tragepassagen. Randnotiz: Lange haben wir über ein häufige dargestelltes Bild in Kanada gerätselt, bei dem ein Mensch sein Kanu auf dem Kopf trägt, jetzt wissen wir, was damit gemeint ist, eine Kanu-Tragepassage (Englisch: Portage). Da fühlt man sich 300 Jahre zurück versetzt, in die Zeit der Pelzhändler, welche ihre Waren in die großen Städte wie Montreal transportierten mussten. Einen anderen Weg gab es nicht!

Für den ersten Tag haben wir uns die 15 km lange Paddelstrecke mit drei Tragepassagen vorgenommen. Es geht los von der Widgawa Lodge am Charlton Lake. Der Weg führt vorbei an weißen Hügeln und Kiefernwäldern, Holzhütten am Seeufer und über einen riesigen Biberdamm in den Howry Flusslauf, Richtung Murray See. Übersät mit Wasserlilien und Seerosen, bahnen wir unseren Weg entlang der Einfuhrschneise zu ersten großen Tragepassage. Um zum Nellie See zu gelangen, muss man jedoch erstmal etwas wandern. Mit dem Kanu auf den Schultern geht es 1.5 km und 230 Höhenmeter durch den Wald. Tatjana trägt einen Rucksack vorne, einen hinten und die Paddel, ich nur das 24 kg schwere Kanu auf den Schultern.

Nach insgesamt 8 Stunden kommen wir am Ziel an und werden von einem glasklaren, türkisblauen See überrascht. 20 bis 30 Meter kann man hier bis zum Grund schauen. Einzigartig, und nicht natürlichen Ursprungs. Denn als hier in den 50iger Jahre die Luft durch die Erzmine verpestet wurde, tötete der resultierende saure Regen bis heute alles Leben im See, und kreierte diese Schönheit.
Die Erzmiene wurden mittlerweile geschlossen und die Schornsteine der neuen Fabrik höher gebaut, sodass die Abgase weiter hinausgeschleudert werden. Den Säuregehalt im See kann man jedoch heute noch messen. Zum Schwimmen ist es völlig in Ordnung, zum Trinken scheinbar auch – die Meinungen teilen sich da. Wir ziehen es vor das Wasser zu filtern.
Es ist ruhig auf dem See. Weit ab der Zivilisation. Nur 3 Zeltplätze gibt es am Nellie See, welche alle schon im Voraus reserviert werden müssen und auch schnell ausgebucht sind. Damit wird die Anzahl der Leute limitiert, und die Natur geschont.

Wir hatten das Glück Larry, der von hier seinen alljährlichen, einwöchigen Kanu-Camping-Trip startet, in der Widgawa Lodge kennenzulernen. Er war so nett und hat uns angeboten seinen Zeltplatz mit uns zu teilen. Diese Einladung haben wir angenommen. Cool!

 

Am zweiten Tag erkunden wir mit dem Kanu den 7km langen Nellie Lake, erklimmen eine schroffe Granitklippe und gehen in dem türkisen Wasser schwimmen. Uns begegnen Loons und sogar zwei Biber. Larry meint, das sieht er zum erstmal seit Jahren. Die Natur erkämpft sich ihren Lebensraum zurück. Jeder der hierher kommt, sollte mindestens einen Ruhetag einplanen, es ist traumhaft.

 

Am dritten Tag geht es früh morgens zurück. Es warten zwei Tragepassagen mit 2 km und 1,7 km Länge, sowie eine Paddelstrecke von etwa 17 km auf uns.
Dieses mal sind wir jedoch richtig schnell und schaffen die komplette Route in 5 Stunden. Das Paddeln und steuern haben wir perfektioniert. Bei den Tragepassagen werden wir durch die unermüdlichen Stechmücken angetrieben. Ihnen ausgeliefert marschieren wir, mit dem Kanu auf den Schultern, durch den Wald. Zuerst zum Grace Lake, anschließend zum Frood Lake. Nur kurz machen wir einmal halt, als wir ein Moose mitten auf unserem Pfad antreffen. Wer weicht hier wem aus? Deutlich zu erkennen, dass die Verwunderung auf beiden Seiten herrscht und keiner sich vor oder zurück wagt. Motiviert durch die lästigen Stechmücken und dem 24 kg schweren Kanu auf den Schultern, ergreifen wir die Initiative und passieren das Moose seitlich durch den Wald. Sichtlich erleichtert verschwindet das Moose in die andere Richtung.
Trotzdem bleibt genug Zeit für Fotos. Ein Muss ist der Morgen auf dem Grace Lake. Die Spiegelungen der kleinen Inseln und Felsen verwandeln die Landschaft in ein buntes Kaleidoskop.

Ein absolutes Highlight der Reise!
Danke Conni, Joshua und Larry!

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Mittanzen auf Manitoulin https://inthenature.de/indianer-auf-manitoulin/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=indianer-auf-manitoulin https://inthenature.de/indianer-auf-manitoulin/#comments Fri, 17 Jun 2016 05:00:55 +0000 http://stopczynski.de/reise/?p=3033 Manitoulin Island ist die größte Süßwasserinsel der Welt. Mit einer Fläche von 2.766 km² könnte es Wochen dauern, bis wirklich all die dort…

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Manitoulin Island ist die größte Süßwasserinsel der Welt. Mit einer Fläche von 2.766 km² könnte es Wochen dauern, bis wirklich all die dort befindlichen Süßwasserseen und Flüsse erkundet und die unzähligen Pfade abgewandert sind.
Wir nehmen uns 4 Tage Zeit. Der Zeitraum von Mitte Juni bis Anfang August ist perfekt, sagt man, da nicht nur das Wetter zum Wandern stimmt, sondern da zu der Zeit die Powwows der indigenen Gemeinden, die auf der Insel leben, stattfinden.

An- und Abreise
Es gibt zwei Möglichkeiten, um auf die Insel zu kommen: mit dem Auto oder mit dem Boot. Die Drehbrücke in Little Current, an der nordöstlichen Spitze der Insel, verbindet Manitoulin zu Ontarios Autobahnnetz. Von Mitte Mai bis Mitte Oktober fährt eine Fähre die MS Chi-Cheemaun von Tobermory zur südöstlichen Spitze der Insel zum Dorf South Baymouth. Die Überfahrt durch den Fathom Five Marine Park dauert ca. 1 ¾ Stunden und bereitet uns Freude – tolle Aussichten.

 

Providence Bay
Wir verlassen South Barmouth direkt und fahren zur Providence Bay Beach: Es ist einer dieser Orte, an denen man sich hinsetzen kann und den Tag vorbeiziehen lassen. Auf dem Boardwalk über den Sanddünen faulenzen wir und genießen einfach die Schönheit der weiten Landschaft. Es ist eine wunderschöne Gegend!
Anschließend statten wir Mutchmor – es liegt auf der gleichnamigen Straße in der Stadt, einen Besuch ab. Schon von außen schreit es, komm rein! Ich bin zu interessant um an mir vorbeizulaufen. Herr Garniss erklärt, dass der Name des neuen Raumes, der Mutchmor, vom Namen einer der ursprünglichen Familiennamen im Dorf abgeleitet wird. Herr Garniss Freundin Bridgette Sarong hat ein Peace Café im vorderen Bereich des Gebäudes eröffnet. Frau Sarpong serviert ausgezeichneten Espresso und Karamell gefüllte Schokokekse mit Meersalzsträusel-Haube. Aber eigentlich ist das ganze eine Galerie mit verschiedensten Arbeiten von Künstlern der Insel. Gleichzeitig ist es ein Bioladen mit handgefertigten Produkten wie Seife, ein Fortbildungsraum und im oberen Teil ist es ein Studio für Yoga-/Tanzlehrer – ein sehenswertes Gemeinschaftsprojekt.

 

Gore Bay
Nach einem Großeinkauf bummeln wir hier durch die Alleen. Wir ziehen an eleganten historischen Villen, keine gleicht der anderen, vorbei und entlang der Promenade, die sich am südlichen Ende der Bucht schlängelt. Dort steht eine Marina auf dem Nordkanal. Hier gönnen wir uns eine längst überfällige Dusche. Das Passwort kriegen wir von den Angestellten – ziemlich cool!

 

Kagawong
Wer liebt es nicht Wasserfälle zu besuchen? In der Nähe von Kakawong gelangen wir leicht zu Fuß über einen Pfad entlang des Flusses zu den Bridal Veil Falls. Das Geilste ist es, dass wir hinter das Ding klettern können. Die Felsen kann man als Rutsche nutzen um im Basin des Wasserfalls zu plantschen. Yeah!

Über die Stahltreppe neben den schönen Wasserfällen gelangen wir zur Draufsicht –*Knips und anschließend zur Straße mit Parkplatz. So schlendern wir gemütlich entlang der Straße zurück zum Auto. Die Nacht verbringen wir am Pier und wachen mit dem schönsten Sonnenaufgang der Insel auf!

 

M’Chigeeng
Wir gehen wandern und reinigen uns spirituell. Der M’Chigeeng Aboriginal Trail liegt im Reservat. Der Weg beginnt hinter dem Gelände des Powwows am Highway 551, südlich des Highway 540. Für die Ureinwohner ist die Wanderung eine spirituelle Reinigung. Der Wanderweg besteht aus zwei Pfaden: einer entlang der Unterseite der Klippe, und der andere klettert an die Spitze dieser. Die Spitze der Klippe bietet eine hervorragende Aussicht auf die Bucht. Hier zwischen den Hollywood-Buchstaben M’Chigeengs und mit Blick auf die Stadt können wir die Beine lang machen.

Jetzt geht es in das Ojibwe Cultural Foundation Zentrum. Diese Stiftung verfügt über eine aussagekräftige Sammlung indigener Kunst, informierende Schautafeln und Platz für alles was in der Gemeinschaft benötigt wird.
In der Ausstellung werden Zusammenhänge von Gemeinschaften erklärt: Jeder Mensch wurde als Angehöriger eines Klans geboren. Diese unterscheiden sich voneinander durch Tiernamen, die Totem. Es ist ein abgeleiteter Begriff aus der Ojibwe-Sprache für blutsverwandte Geschwister. Die Gemeinschaft ist hervorgegangen aus sechs Gründerklans, die ihren Ursprung in der Morphologie von sechs unterschiedlichen Tieren sehen. So entstand einerseits die Gemeinschaft und andererseits war es ein Schutz vor Inzest, denn das Totem wird patriarchal weitergegeben. Geschickt!

Ein großer Teil der Ausstellung setzt sich mit Residential Schools auseinander. Residential Schools nannte man Schulen, die von der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis 1996 betrieben wurden. Es handelte sich um Internate, zu denen ausschließlich die Kindern der kanadischen Ureinwohner zwangsgeschickt wurden. In Kanada herrscht Schulpflicht, diese machte vor den Ureinwohnern nicht halt, und sammelte teilweise mit Gewalt die Kinder aus den Gemeinden ein, um sie zum Internat zu bringen. Diese Schulen sollten die Kinder von den Eltern fernhalten und zugleich von ihrem kulturellen Einfluss. Der Gebrauch ihrer jeweiligen Muttersprache wurde ihnen strikt verboten, stattdessen sollten sie Englisch bzw. Französisch lernen. Sie vergaßen ihre Muttersprache somit waren sie nicht in der Lage sich mit den eigenen Müttern, Vätern, Großeltern auszutauschen. Damit verbunden war ein allgemeiner Zivilisierungsauftrag. Unglaublich ist die Vielfalt an Wahrnehmungen: So werden dankbare Künstler vorgestellt, die ihr Potenzial innerhalb diesen Schulen voll ausgeschöpft sahen. Bei anderen steht der kulturelle Völkermord im Vordergrund – wie ein solches Entwurzelungsprogramm zu einem weitgehenden Verblassen kultureller Erinnerung führte.

 

Cold Springs
Der Cup and Saucer Trail ist eine Wanderung, die du nicht verpassen möchtest. Das lassen wir uns nicht zweimal sagen. Er bietet legendäre Blick auf die Insel und der optionale Adventure Trail ist bombe. Ich würde jedem den abenteuerlichen Teil ans Herz legen, der bereit ist am Boden zu robben und sein Körpergewicht auf und über Felsen stemmen sowie sich zwischen Felsspalten zu zwängen kann. Zwei Aufstiegsetappen müssen wir erklimmen um zu den versprochenen Aussichten zu gelangen. Am Abhang der 70 Meter hohen Klippen stehen wir mit Ehrfurcht, deswegen legen wir uns besser hin und genießen den Panoramablick über der Insel. Die Aussicht ist toll. Die 12 km plus Adventure Trail haben wir in 4 Stunden geschafft und es war jeden Schweißtropfen wert. Unser Top Ding to do auf Manitoulin Island!

 

POWWOW
Ein Powwow ist ein Zusammentreffen verschiedener Indianerklans um gemeinsam in Trachten zu tanzen, zu singen, zu trommeln, Kontakte zu knüpfen und die indianischen Kulturen zu ehren. Das wollen wir erleben. Mal Teil eines Powwows sein oder zu mindestens zu schauen. Ein kurzer Blick auf den Veranstaltungskalender genügt, nächstes Wochenende steigt die Party in Wikwemikong. Die sieben Indianergemeinden feiern von Juni bis September an einem ausgewählten Wochenende für zwei Tage, wobei Wikwemikong – Wiki genannt, heraussticht an Größe und Popularität. Mit vollbepackten Reisebussen kommen die Klans aus ganz Kanada und sogar Amerika.
Zur Geschichte lässt sich Folgendes festhalten: Um 1850 entstanden die Vorläufer der Powwows als Veranstaltungen von Kriegerstämmen. Zur Stärkung der Gemeinschaft eingeführt, entwickelte es sich zur Darstellung der eigenen Identität im Bereich des traditionellen Lebens. Identität ist bis dato ein neuer Gedanke für die Ureinwohner. Deshalb weisen diese Veranstaltungen kriegerische, tierische, soziale, unterhaltende und andere Aspekte auf. Also ein indianisches Volksfest mit allem was die Teilnehmer eingepackt haben für den Tag.

Angekommen, schauen wir uns erstmal um. Im Eingangsbereich sind Essensstände. Es ist ein kreisförmiges Gelände mit einem Pavillon im Zentrum in dem getrommelt wird, am äußeren Rand sind überdachte Tribünensitzbänken, dazwischen ist Platz für jede Menge Menschen in knallbunten federverzierten Kostümen. Wir finden ein gemütliches Sitzplätzchen auf der Holztribüne im Schatten. Es sind heute nämlich gefühlte 40 °C. Ach übrigens … Janina und Sebastian, die super cool sind, gerade Kanada erkunden und die wir auf dem Festland kennengelernt haben, mehr dazu im Folgeeintrag, sind auch am Start. Die Veranstaltung wird eröffnet mit einer Einzugszeremonie, gilt als heilig, somit darf währenddessen nicht gefilmt oder fotografiert werden. Bei diesem Einzug laufen Geistliche, Flaggenträger und Tänzer zum Rhythmus der Trommel in die Arena ein. Flinke Füße haben die Tänzer. Elegant und leicht hüpfen die Damen von einem Fuß auf den Anderen. Jetzt folgt die Ehrung der Veteranen. Die Party beginnt: Es wird wieder gehüpft, die Metallglöckchen an den Kleidern rascheln, farbige Tücher werden geschwungen und manche Tänze mit Geld belohnt. Als es um Geld geht, fangen Martins Hüften an zum rhythmischen Trommeln zu pulsieren. Ehe wir uns versehen, schwingt er das Tanzbein im Zirkel und darf im Anschluss dem Häuptling der Kaboni Gemeinde die Hand schütteln, der ihn hier willkommen heißt. Mittanzende sind willkommen!

 

Wikwemikong
Bei dem ganzen Getanze wird uns heiß. Wir sind auf der Suche nach Abkühlung. Wir kriegen einen Tipp: Ins Wasser springen vom Pier hört sich bei den Temperaturen wahnsinnig toll an. Wir fahren die Indian Dock Road hoch und hüpfen ins kalte Wasser.

 

Little Current
Auf dem Weg nach Little Current ist ein super Halt für die Aussicht auf die Lacloche Berge, den Nordkanal und eigentlich über die ganze Umgebung: McLean’s Mountain Lookout! Ich habe mir sagen lassen, dass sich hier der schönste Sonnenaufgang ganz Ontarios genießen lassen. Aber jemand war zu faul so früh aufzustehen. Ich sag nicht wer!! Naja, wäre bestimmt bewölkt gewesen.

An einem so heißen Tag, ist Eis ein Muss. Die lokale Eisdiele 3 cows and a cone hat ein überwältigende Auswahl. Wir schlecken gemeinsam und bestaunen die Drehbrücke, die ein Segelboot passieren lässt.

Danke für die Tannenbäume zum Einpflanzen,
die wir als Geschenk beim Verlassen des Powwows bekommen haben.

Einkaufen: Lebensmittel lassen sich nur aufstocken in Gore Bay oder Little Current.
Duschen: Gibt es in Little Current am Hafen.

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Strand & Schnorchel https://inthenature.de/bruce-halbinsel/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=bruce-halbinsel https://inthenature.de/bruce-halbinsel/#respond Thu, 16 Jun 2016 05:48:35 +0000 http://stopczynski.de/reise/?p=3018